Inhaltsbereich: Publikationen - Suche

Suche nach verschiedenen Kriterien

Leselust dank Lesekompetenz - Leseerziehung als fächerübergreifende Aufgaben

Erscheinungsjahr:2006
Seitenanzahl:316
Bestellnr.:407 (Akademiebericht)
Preis:22,00 EUR

Die Ergebnisse der PISA-Studie des Jahres 2000 haben die deutsche Bildungslandschaft in den Grundfesten erschüttert, die Selbsteinschätzung und das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation in Frage gestellt. Anfängliche Zweifel an der Validität der Untersuchung verstummten rasch angesichts der Wissenschaftlichkeit von Testdesign und –skalierung. Die Bestätigung durch die Studie des Jahres 2003 vor allem in Hinblick auf die Lesekompetenz markierte den Übergang von bildungspolitischer Betriebsamkeit hin zur didaktisch fundierten Aufarbeitung der Befunde und zur Umsetzung der Konzepte in die Unterrichtspraxis. Die Zuspitzung auf das Thema „Lesen“ führte fast zwangsläufig zu Bemühungen in der Leseförderung mit der Absicht, Leseanreize zu schaffen und die Schüler verstärkt zum Lesen zu motivieren. Da es in der PISA-Studie eher um Fragen des Textverständnisses ging, wurde zugleich mehr Gewicht auf die Leseerziehung gelegt und damit mehr Aufmerksamkeit auf Methoden im Umgang mit Texten. Dass dabei nicht nur das Fach Deutsch gefordert ist, sondern nahezu alle Fächer in die Pflicht zu nehmen sind, betont die Auswertung der Studie von 2003: „Zu bedenken ist auch, dass die Förderung der Lesekompetenz nicht allein die Aufgabe eines Unterrichtsfaches ist, auch wenn dem Deutschunterricht eine besondere Verantwortung zukommt“ (PISA 2003, S. 367). Der vorliegende Band geht sowohl auf Aspekte der Leseförderung als auch auf den Bereich der Leseerziehung ein und hat vor allem Beiträge aufgenommen, die fächerübergreifende Möglichkeiten aufzeigen. Der erste Teil wird von Überlegungen zu möglichen Leserollen eingeleitet, in denen Peter Klotz eine Pragmatik des Lesens vor dem Hintergrund einer Leseakttheorie entwickelt. Harald Parigger, Autor von historischen Jugendbüchern und Schulleiter, beleuchtet die Leserealität von Schülern und lässt seine Befunde in Forderungen an die Schulwirklichkeit münden. In einem weiteren Beitrag demonstriert er anhand von eigenen Erzählungen und Romanpassagen, wie Siegfried Münchenbachs Vorschläge zum Einsatz von literarischen Texten im Geschichtsunterricht umgesetzt werden können. Ebenfalls einen umfangreichen Textteil enthält Irmgard Ackermanns Vorstellung von Autoren mit Migrationshintergrund als Beitrag zu interkulturellem Verständnis. Ansätze zu einer Lösung des Problems, dass Jungen deutlich weniger lesen als Mädchen, liefert Anita Schilcher, aber auch die Internetnutzung kann sich hier positiv auswirken, worauf Martin Sachse und Michaela Weinert in einer medienkritischen Bestandsaufnahme eingehen. Konkrete methodische und organisatorische Vorschläge zur Steigerung der Lesemotivation machen Hartmut Castner, Jörg Knobloch und auch Elmar Hofmann in seinem Abriss der Möglichkeiten einer Multimedia-Schulbibliothek, die durch die Vorstellung einschlägiger Internet-Portale durch Elke Kaiser ergänzt werden. Auch dem zweiten Teil zur Leseerziehung stehen grundlegende Aufsätze von Kaspar Spinner mit einem Appell zur Einbindung aller Fächer und von Juliane Köster voraus, die mit der Kategorie des Vorwissens auf die Voraussetzungen auch von Sinnkonstruktion hinweist. Daran schließen sich Beiträge an, die Aspekte und Methoden der Sinnerfassung im Leseakt zum Gegenstand haben, wobei die Bandbreite vom Verstehen uneigentlicher Sprache (Ute Guthunz) über den Umgang mit diskontinuierlichen Texten (Bernd Raczkowsky) und der Informations-Recherche (Elmar Hofmann) bis hin zur Darstellung der Probleme lese-rechtschreib-schwacher Schüler (Iris Lehmann) reicht. Jürgen Seipt-Wunderwald, Brigitte Weisel-Steiner und Bernhard Gehringer geben vielfältige methodische Anregungen für den Umgang vor allem mit Sachtexten aus unterschiedlichen Fächern. Den Abschluss bilden wieder allgemeinere Überlegungen: Juliane Köster geht der Frage nach, inwieweit die Bildungsstandards zur Entwicklung von Lesekompetenz beitragen können, Karl-Heinz Fingerhut und Gottlieb Gaiser diskutieren die didaktischen Konsequenzen von Kompetenzmodellen für Lehrwerke und Aufgabenstellungen. In einem kürzeren letzten Teil werden Projekte vorgestellt, die von Texten ausgehen. Reinhard Lindenhahns Vorgehen problematisiert den Epochenbegriff, indem die Umbruchsituation in den Mittelpunkt rückt, Martin Lindemann legt eine Unterrichtseinheit in die Hände von Schülern und Gottlieb Gaiser zeigt an unterschiedlichen medialen Umsetzungen von Texten, wie kreative Arbeitsformen ein vertieftes Textverständnis fördern und gleichzeitig ein ganzes Bündel von Kompetenzen abrufen und in der Anwendung einüben. Der Band gibt Antworten auf viele der Fragen, die im Zusammenhang mit PISA in Hinblick auf die Lesekompetenz der deutschen Schüler aufgeworfen wurden, und bringt vor allem in den grundlegenden Artikeln die aktuelle didaktische Diskussion weiter. Die Mehrzahl der Beiträge aber sind als Angebot für die Umsetzung in der Klasse zu verstehen und geben dem Buch, das auch hier auf der Höhe der Zeit ist, einen deutlich unterrichtspraktischen Schwerpunkt. Adressaten sind dabei nicht nur Deutschlehrer, sondern gerade auch Lehrer anderer Fächer: Geschichte, Erdkunde, Sozialkunde, Biologie, Ethik usw., denn wenn es eine zentrale Botschaft des Bandes gibt, ist es diese: Leseerziehung ist die Aufgabe aller Fächer! Dem Redaktionsteam gehörten neben den beiden Herausgebern Ute Guthunz, Gudrun Hagen, Elmar Hofmann und Martin Lindemann an. Ihnen sei hier für ihre engagierte Arbeit ebenso gedankt wie den Autoren. Dillingen an der Donau, Dezember 2005 Gottlieb Gaiser Siegfried Münchenbach