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1.8

 

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Schulentwicklung vor Ort

Im Rahmen der Lehrgänge für Führungskräfte zum Thema Schulentwicklung beschäftigen sich diese Lehrgänge im Ausland mit Schule vor Ort. Wir ermöglichen damit Einblicke in schulische Gegebenheiten anderer Länder, als Information und als Impuls für eigene schulische Prozesse und Veränderungsmöglichkeiten. Als Grundgedanken beinhalten die Lehrgänge folgende Aspekte: vorschulische Erziehung, Primar- und Sekundarstufe, berufliche Aus- und Weiterbildung, Schulaufsicht, Lehrerausbildung und die Aus- und Weitebildung von Führungskräften.


Grundlagen      Dänemark      Finnland      Niederlande      Schottland      Resümee


Grundlagen
Schulerfahrungen aus bildungspolitisch erfolgreichen Ländern: Finnland, Niederlande, Schottland

Im Rahmen der Lehrerfortbildung bietet die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen Lehrgänge an, die in einer Reihe von Auslandskursen für pädagogische Führungskräfte stehen.
Grundanliegen ist es, das eigene Führungshandeln in Bezug auf Qualitätsentwicklung an der eigenen Schule zu optimieren. Zunächst haben die Teilnehmer die Gelegenheit Anforderungen an Schulleiter unter Bedingungen kennen lernen, die in anderen Ländern herrschen. Daraus können neue Impulse und Ideen für Veränderungen entstehen. Schließlich ist es Aufgabe der Teilnehmer, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse an ihr Kollegium weiter zu geben und sich in den Prozess des Wandels an ihrer Schule kompetent einzubringen, ihn zu steuern.
Dieses Ziel lässt sich am effektivsten durch persönliche Kontakte mit Führungskräften besonders im europäischen Ausland und Gesprächspartnern pädagogischer Institutionen erreichen. So können Ideen vermittelt und Bezüge zur eigenen Führungstätigkeit hergestellt werden. Auch lassen sich Entwicklungsbemühungen an der eigenen Schule viel leichter einschätzen durch den Vergleich mit Ressourcen und Rahmenbedingungen, unter denen Schulen in anderen Ländern arbeiten.
Eine grundlegende Konzeption wird bei allen Fahrten umgesetzt. Darüber hinaus bedeutet die Behandlung der PISA-Ergebnisse, dass die Beschäftigung mit kulturellen Hintergründen Teil des Lehrgangsprogramms sein muss.

Der Lehrgangsidee liegen u.a. folgende Fragen zugrunde:

  • Wie wird Schule unter den gegebenen Rahmenbedingungen gestaltet?
  • Auf welchen Gründen beruhen Erfolge resp. Misserfolge?
  • Welche Bedeutung hat die Vorschulerziehung?
  • Welche konkreten Maßnahmen wurden getroffen?
  • Welche Wirkungen zeigt Schulentwicklung?
  • Wie stehen die Lehrkräfte und Führungskräfte im Schulbereich weiteren Veränderungen gegenüber?
  • Welche Aufgaben haben Schulleiter zu bewältigen?
  • Wie findet Ausbildung von Führungskräften statt?
  • Welche Unterrichtsmethoden werden verwendet?
  • Wie stehen Eltern zur Schullandschaft?

In verschiedensten Institutionen und Einrichtungen haben die Teilnehmer die Gelegenheit, im Gespräch mit den Beteiligten sich auszutauschen und mit Hilfe von Vorträgen Vorkenntnisse zu vertiefen, Schulentwicklung zu erleben und in ihrer Ausprägung in einem anderen europäischen Land demonstriert zubekommen. Referenten sind u. a. Schulleiter, Vertreter von Instituten und Beschäftigte in zentralen Bildungseinrichtungen.
Ein nicht zu vernachlässigender Fortbildungsaspekt ist die Begegnung. Teilnehmer tauschen sich über ihre Eindrücke aus und vergleichen ihre Beobachtungen. Dies geschieht über die einzelne Schulart hinweg - was regelmäßig als äußerst fruchtbar und informativ angesehen wird.
Schulentwicklung europaweit gesehen zeigt Gemeinsamkeiten und landesübliche Ausprägungen. Diese zu entdecken, zu verbinden und mit zu gestalten - im Gespräch, mit Hilfe von Informationen, durch Kennen lernen und persönliche Anregungen - will der Lehrgang initiieren.


Dänemark - Schule vor Ort erleben

Der Besuch Dänemarks und dessen Schulwesens war eine eindrucksvolle und interessante Möglichkeit, die Schulentwicklung des Landes kennen zu lernen. Es wurden verschiedene Einrichtungen besichtigt und mit den VertreterInnen Gespräche geführt. Nach einer solchen Fahrt entsteht ein Bild, das eine Einordnung ermöglicht und vor allem Impulse für die eigene Arbeit mitgibt.

Folgende Einrichtungen wurden besucht:

  • Eine Handelsschule, die zur Berufsausbildung führt.
  • Eine Versuchsschule, die der dänische Staat eingerichtet hat und an der Ideen und Projekte umgesetzt werden.
  • Eine Schule, die für ausländische SchülerInnen um den Einstieg in das Schulsystem zu ermöglichen.
  • Das Goethe-Institut, das viel mit den Schulen zum Thema Deutschunterricht zusammenarbeitet.
  • Eine private Schule/Friskole, an der sowohl Kindergarten eingerichtet ist, als auch die weiteren Schuljahre bis zur 9.Klasse für alle Kinder unterrichtet werden.
  • Die Lehreraus- und fortbildung gab Einblick in Schwerpunkte, die auf die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Führungskräften gelegt werden.
  • Ein Gymnasium, an dem die Oberstufe unterrichtet wird.
  • Eine private Schule, die den Schwerpunkt Deutsch anbietet.
  • Die deutsche Botschaft zeigte ein Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse auf.

Kurze Informationssplitter zum dänischen Schulwesen - als Eindruck für die Schwerpunkte und wesentliche Voraussetzungen:

  • Unterrichtspflicht von der 1. - 9. Klasse findet der Unterricht für alle gemeinsam statt, die 10. Klasse ist freiwillig, die 11. - 13. Klasse findet an der Berufsschule oder am Gymnasium statt
  • Ab der 8. Klasse gibt es Zeugnisse - mindestens zweimal jährlich werden Schüler und Eltern über den Leistungsstand informiert
  • Der Schulbesuch beginnt mit dem 7. Lebensjahr
  • In der Vorschule wird Lesen und Rechnen gelehrt
  • Voraussetzung für den Besuch des Gymnasiums ist der erfolgreiche Abschluss der Folkeskole und eine Aufnahmeprüfung in bestimmten Fächern
  • Wichtig wird die Zusammenarbeit von SchülerInnen, Lehrkräften und Eltern gesehen
  • Wesentliches Ziel ist die Erziehung zur Selbständigkeit und Verantwortung
  • Schule soll Spaß machen
  • Leistungsdruck wird vermieden, es soll mit Ruhe und Gelassenheit und Nachhaltigkeit gelernt werden
  • Die SchülerInnen sollen im Schulprozess reifen können, es wird kein Wert auf schnelles Durchlaufen der Schulzeit gelegt ( obwohl die 10te Klasse optional ist, machen viele diese um älter und damit verantwortungsbewusster zu werden )
  • Englisch ist Zweitsprache und es wird großen Wert darauf gelegt
  • Viele kreative und künstlerische Elemente im Schulleben, das wird sehr gefördert
  • Privatschulen besitzen große Autonomie und bauen auf Elterninteresse und Zusammenarbeit
  • Die Schulleitung hat keinen Unterricht und versteht sich als Manager des Systems. Die Verwaltung des Schulbudgets, Schulprofil schaffen, Elternarbeit, Pflege und Aufbau von Außenkontakten, Personalentwicklung sind wesentliche Aufgaben der Schulleitung
  • Meist kleine Klassenstärken, wichtig für individuelle Förderung und Unterstützung
  • Die Lehrkräfte sind keine Beamte. Schulwechsel werden häufiger vorgenommen, man bewirbt sich an den jeweiligen Schulen/Gemeinden, die eine Ausschreibung ihrer Stellen vornehmen.
  • Die Gemeinden haben sind die Träger der Schulen und damit in den meisten Fällen mit entscheidend wie z.B. Einstellung von Lehrkräften, Verteilung der Mittel, ...
  • Die SchülerInnen können nicht sitzen bleiben, der Grundgedanke dahinter: Warum ein ganzes Jahr wiederholen, wenn die Leistungen in einem oder zwei Fächern nicht entsprechen, diese Defizite dann lieber intensiv fördern
  • Portfolio der SchülerInnen gibt Auskunft über Ziele und Inhalte der Schulbildung und wird zur Bewerbung vorgelegt
  • Zentrale Prüfungen nach der 9ten Klasse, die als Abschluss der Folkesskole dient
  • Entscheidungen über Lerninhalte werden auf lokaler Ebene gefällt - Rahmenpläne gehen vom Ministerium aus
  • Berufliche und gymnasiale Bildung wurden koordiniert, so werden auch praktische Fächer an Gymnasien unterrichtet und allgemeinbildende Fächer in die berufliche Bildung integriert


Schulerfahrungen aus Finnland

Allgemeines zu den Bedingungen:
Bildungsziele sind zentral festgelegt. Die Gemeinden sind die Schulträger, es besteht eine große Autonomie der Schulen. Die Lehrkraft ist ein anerkannter Fachmann für Unterricht und Erziehung und nicht verbeamtet, sondern Angestellte der Kommunen. Die Elternschaft steht hinter der Schule als Ort der Wissensvermittlung und der Erziehung.

Die Schulreform in den Jahren 1972-1977 ergab eine Gemeinschaftsschule bis einschließlich der 9. Jahrgangsstufe. In einer Lehrplanreform wurden die Vorgaben minimiert und die angestrebten Kompetenzen der wichtigen Fachbereiche optimiert. Eine klassenlose (Kurssystem) gymnasiale Oberstufe wurde eingerichtet. Die Schulinspektion wurde abgeschafft, dafür ein Zentralamt eingerichtet, das berät und betreut. Gleichzeitig damit die Einführung der schulischen Evaluation durch Schulträger. Besonderer Wert wird auf den Fremdsprachenunterricht gelegt (bereits ab der 3.Klasse).

Die Kinder kommen mit 7 Jahren in die Schule, gehen gemeinsam in die 1 - 9 Klasse. Dann geht es weiter, man kann auf die gymnasiale Stufe wechseln, die meisten Schulen bieten eigene Schwerpunkte. Der Weg ins Berufsleben wird von der Berufsschule vorbereitet. Behinderte Kinder sind meist eingegliedert. Die Notengebung beginnt ab der 7. Jgst., es werden bis dahin verbale Beurteilungen gegeben. Je niedriger die Klassenstufe, umso geringer die Anzahl der Schüler. Intensive Elternarbeit, 2 Elterngespräche pro Jahr sind verpflichtend.

Es gibt nur wenige Ganztagesschulen, man beginnt gegen 9.00 Uhr und endet meist um 14.30 Uhr. Es wird ein kostenloses Mittagessen zur Verfügung gestellt. Viele Pausen sind zwischen den Stunden eingeplant. Unterstützung der Lehrkräfte durch weiteres Personal wie Schulassistenten, Sonderpädagogen, Schulpsychologen, Krankenschwester, die an allen größeren Schulen zu finden sind. Intensive Betreuung von nicht-muttersprachlichen Kindern durch eigene Intensivunterweisung. Meist haben die Lehrkräfte einen eigenen Arbeitsplatz an der Schule.

Die Schulleitung ist relativ autonom. Die Stellen werden ausgeschrieben und ein Gremium aus KollegInnen und Kommune wählt einen Bewerber aus, zum Teil auf Zeit.

Ausbildung der Lehrkräfte sehr praxisnah, sowohl an der Universität als auch an einer Seminarschule. Dauer ca. 5 - 6 Jahre. Von 100 Bewerbern für ein Lehramtsstudium werden 10 zugelassen.

Speziell zur Leseerziehung:
Traditionelles Leseland, hoher Stellenwert der Bibliotheken, keine Einteilung in "wertvolle und wertlose" Literatur, die Hinführung zum Lesen beginnt bereits sehr früh, im Kindergarten bereits Schreiben und Lesen lernen, Notwendigkeiten größer, da viel fremdsprachige Informationen.


Schulerfahrungen aus den Niederlanden

Vor Ort bot sich Gelegenheit mit Vertretern der dortigen Schulinspektion zu sprechen und deren Verständnis ihrer Aufgabe vorgestellt zu bekommen, die sich deutlich von vergleichbaren Aufgabengebieten unserer Schulaufsicht unterscheiden- es steht weit mehr Beratung, Evaluation und Betreuung im Vordergrund.

Es wurden verschiedene Schulen, Basis- und Sekundarstufe besucht und dort ergab sich die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen und ausführliche Informationen über individuelle und allgemeine Strukturen zu erhalten. So finden sich Unterschiede beispielsweise im Einschulungsalter(4-5 Jahre), in der Verteilung der Stunden (über den Tag verteilt), in der Arbeitszeit der Lehrkräfte (Anwesenheitspflicht), in der Gestaltung des Unterrichts (z. T. klassenübergreifend, mit zusätzlicher Lehrkraft, offene Formen), beim Lehrplan (als Leitlinie aufgebaut), Gesamtschulen (bis zum 12. Lebensjahr), dann Aufspaltung, je nach Begabung und Interessen.

Interessant war die Schulleiterausbildung - es war Gelegenheit, einen Baustein mitzuerleben, bei dem gerade eine obligatorische Fahrt für eine Hospitation in schottischen Schulen vorbereitet. Die z. T. sehr jungen Schulleiter waren sehr aufgeschlossen und bereit, uns Einblicke in ihre Arbeit und ihre Erfahrungen zu geben. Der Weg zum Schulleiter ist eine eigene Ausbildung über ca. 2 Jahre hinweg.

Die Schulberatung hat in den Niederlanden zahlreiche Aufgabenfelder (z.B. Qualitätsverbesserung, Beratung, Schulprogrammerstellung) diese wurden vorgestellt und Einstellungen und Entwicklungen diskutiert. Die anstehende Kommerzialisierung dieses Bereichs gab Anlass zu Diskussionen und Fragen.


Schulerfahrungen aus Schottland

Seit dem Jahr 2000 hat sich in Schottland einiges in der schulischen Landschaft verändert. Vor allem die Verwaltungsebene und die Ausbildung von Führungskräften sind deutlich an die Bedürfnisse der Schulentwicklung angepasst worden.

5 Bereiche sind speziell zu Schwerpunkten der schulischen Erziehung benannt worden:

  • Neue Standards der schulischen Entwicklung in den Kernfächern
  • Unterrichtsqualität verbessern, Förderung der Lehrkräfte und Schüler
  • Gleichberechtigung für Förderbedürftige und Minderheiten
  • Elternarbeit zur Erreichung der gemeinsamen Ziele im Sinne der Gesellschaft
  • Kompetenzen fördern, sich in der Gesellschaft zu behaupten

Die Schulstruktur setzt folgende Stufen der Ausbildung:

  • Vorschule vom 3 - 5 ten Lebensjahr
  • Primarschule vom 5 - 12ten Lebensjahr
  • Sekundarschule vom 12 - 16ten Lebensjahr
  • Unterschiedliche Wege, je nach Begabung und Orientierung

Schulen arbeiten mit Jahresplänen/Rahmenplänen, die allgemeine Ziele enthalten und die spezielle Bereiche betreffen, z. B. Gesundheit, soziales Lernen, aktive Bürger. Es werden eigene Qualitätsindikatoren erstellt. Evaluation findet zum einen intern statt, aber auch extern durch Beauftragte des Unterrichtsministeriums, einem Qualitätsteam, das eng mit den Schulen zusammenarbeiten.

Ein Ausbildungskonzept für Führungskräfte wird momentan erprobt und durchgeführt. Die Ausbildung von Schulleiter erstreckt sich über 3 Jahre und beinhaltet sowohl praktische wie theoretische Inhalte, die aufgearbeitet und umgesetzt werden sollen. Grundsätzlich sollen die Grundlage für die Arbeit in der Schulleitung: Professionalität, Management und Führungsqualität sein.


Abschließende Gedanken

Das direkte Erleben und Erfahren der schulischen Gegebenheiten ist sehr beeindruckend und bietet Gelegenheit, nationale Gegebenheiten und Besonderheiten besser einzuschätzen und in Relation zum Wissen um das Anderssein zu setzen.

Deutlich wird, dass das Bild von Schule und der damit verbundenen Personengruppen sehr beeindruckend auf die Arbeit, den Stellenwert und die Möglichkeiten einwirkt.

 

Die grundsätzlichen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Traditionen - inwieweit fördern oder bremsen sie Schulentwicklung ... und was kann zu einer positiven Weiterentwicklung beitragen?