Schulentwicklung vor Ort
Im Rahmen der Lehrgänge für Führungskräfte zum Thema Schulentwicklung
beschäftigen sich diese Lehrgänge im Ausland mit Schule vor Ort. Wir
ermöglichen damit Einblicke in schulische Gegebenheiten anderer Länder, als
Information und als Impuls für eigene schulische Prozesse und
Veränderungsmöglichkeiten. Als Grundgedanken beinhalten die Lehrgänge
folgende Aspekte: vorschulische Erziehung, Primar- und Sekundarstufe,
berufliche Aus- und Weiterbildung, Schulaufsicht, Lehrerausbildung und die
Aus- und Weitebildung von Führungskräften.
Grundlagen
Dänemark
Finnland
Niederlande
Schottland
Resümee
Grundlagen Schulerfahrungen aus bildungspolitisch erfolgreichen Ländern:
Finnland, Niederlande, Schottland
Im Rahmen der Lehrerfortbildung bietet die Akademie für Lehrerfortbildung und
Personalführung in Dillingen Lehrgänge an, die in einer Reihe von Auslandskursen
für pädagogische Führungskräfte stehen.
Grundanliegen ist es, das eigene Führungshandeln in Bezug auf Qualitätsentwicklung
an der eigenen Schule zu optimieren. Zunächst haben die Teilnehmer die
Gelegenheit Anforderungen an Schulleiter unter Bedingungen kennen lernen,
die in anderen Ländern herrschen. Daraus können neue Impulse und Ideen für
Veränderungen entstehen. Schließlich ist es Aufgabe der Teilnehmer, ihre
Erfahrungen und Erkenntnisse an ihr Kollegium weiter zu geben und sich in den
Prozess des Wandels an ihrer Schule kompetent einzubringen, ihn zu steuern.
Dieses Ziel lässt sich am effektivsten durch persönliche Kontakte mit
Führungskräften besonders im europäischen Ausland und Gesprächspartnern pädagogischer
Institutionen erreichen. So können Ideen vermittelt und Bezüge zur eigenen
Führungstätigkeit hergestellt werden. Auch lassen sich Entwicklungsbemühungen an
der eigenen Schule viel leichter einschätzen durch den Vergleich mit Ressourcen und
Rahmenbedingungen, unter denen Schulen in anderen Ländern arbeiten.
Eine grundlegende Konzeption wird bei allen Fahrten umgesetzt. Darüber hinaus
bedeutet die Behandlung der PISA-Ergebnisse, dass die Beschäftigung mit
kulturellen Hintergründen Teil des Lehrgangsprogramms sein muss.
Der Lehrgangsidee liegen u.a. folgende Fragen zugrunde:
- Wie wird Schule unter den gegebenen Rahmenbedingungen gestaltet?
- Auf welchen Gründen beruhen Erfolge resp. Misserfolge?
- Welche Bedeutung hat die Vorschulerziehung?
- Welche konkreten Maßnahmen wurden getroffen?
- Welche Wirkungen zeigt Schulentwicklung?
- Wie stehen die Lehrkräfte und Führungskräfte im Schulbereich weiteren Veränderungen gegenüber?
- Welche Aufgaben haben Schulleiter zu bewältigen?
- Wie findet Ausbildung von Führungskräften statt?
- Welche Unterrichtsmethoden werden verwendet?
- Wie stehen Eltern zur Schullandschaft?
In verschiedensten Institutionen und Einrichtungen haben die Teilnehmer die
Gelegenheit, im Gespräch mit den Beteiligten sich auszutauschen und mit Hilfe von
Vorträgen Vorkenntnisse zu vertiefen, Schulentwicklung zu erleben und in ihrer
Ausprägung in einem anderen europäischen Land demonstriert zubekommen. Referenten
sind u. a. Schulleiter, Vertreter von Instituten und Beschäftigte in
zentralen Bildungseinrichtungen.
Ein nicht zu vernachlässigender Fortbildungsaspekt ist die Begegnung.
Teilnehmer tauschen sich über ihre Eindrücke aus und vergleichen ihre
Beobachtungen. Dies geschieht über die einzelne Schulart hinweg - was regelmäßig
als äußerst fruchtbar und informativ angesehen wird.
Schulentwicklung europaweit gesehen zeigt Gemeinsamkeiten und landesübliche
Ausprägungen. Diese zu entdecken, zu verbinden und mit zu gestalten - im Gespräch,
mit Hilfe von Informationen, durch Kennen lernen und persönliche Anregungen - will
der Lehrgang initiieren.

Dänemark - Schule vor Ort erleben
Der Besuch Dänemarks und dessen Schulwesens war eine eindrucksvolle und interessante
Möglichkeit, die Schulentwicklung des Landes kennen zu lernen. Es wurden verschiedene
Einrichtungen besichtigt und mit den VertreterInnen Gespräche geführt. Nach einer
solchen Fahrt entsteht ein Bild, das eine Einordnung ermöglicht und vor allem Impulse
für die eigene Arbeit mitgibt.
Folgende Einrichtungen wurden besucht:
- Eine Handelsschule, die zur Berufsausbildung führt.
- Eine Versuchsschule, die der dänische Staat eingerichtet hat und an der Ideen und Projekte umgesetzt werden.
- Eine Schule, die für ausländische SchülerInnen um den Einstieg in das Schulsystem zu ermöglichen.
- Das Goethe-Institut, das viel mit den Schulen zum Thema Deutschunterricht zusammenarbeitet.
- Eine private Schule/Friskole, an der sowohl Kindergarten eingerichtet ist, als auch die weiteren Schuljahre bis zur 9.Klasse für alle Kinder unterrichtet werden.
- Die Lehreraus- und fortbildung gab Einblick in Schwerpunkte, die auf die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Führungskräften gelegt werden.
- Ein Gymnasium, an dem die Oberstufe unterrichtet wird.
- Eine private Schule, die den Schwerpunkt Deutsch anbietet.
- Die deutsche Botschaft zeigte ein Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse auf.
Kurze Informationssplitter zum dänischen Schulwesen - als Eindruck für die Schwerpunkte und wesentliche Voraussetzungen:
- Unterrichtspflicht von der 1. - 9. Klasse findet der Unterricht für alle gemeinsam statt, die 10. Klasse ist freiwillig, die 11. - 13. Klasse findet an der Berufsschule oder am Gymnasium statt
- Ab der 8. Klasse gibt es Zeugnisse - mindestens zweimal jährlich werden Schüler und Eltern über den Leistungsstand informiert
- Der Schulbesuch beginnt mit dem 7. Lebensjahr
- In der Vorschule wird Lesen und Rechnen gelehrt
- Voraussetzung für den Besuch des Gymnasiums ist der erfolgreiche Abschluss der Folkeskole und eine Aufnahmeprüfung in bestimmten Fächern
- Wichtig wird die Zusammenarbeit von SchülerInnen, Lehrkräften und Eltern gesehen
- Wesentliches Ziel ist die Erziehung zur Selbständigkeit und Verantwortung
- Schule soll Spaß machen
- Leistungsdruck wird vermieden, es soll mit Ruhe und Gelassenheit und Nachhaltigkeit gelernt werden
- Die SchülerInnen sollen im Schulprozess reifen können, es wird kein Wert auf schnelles Durchlaufen der Schulzeit gelegt ( obwohl die 10te Klasse optional ist, machen viele diese um älter und damit verantwortungsbewusster zu werden )
- Englisch ist Zweitsprache und es wird großen Wert darauf gelegt
- Viele kreative und künstlerische Elemente im Schulleben, das wird sehr gefördert
- Privatschulen besitzen große Autonomie und bauen auf Elterninteresse und Zusammenarbeit
- Die Schulleitung hat keinen Unterricht und versteht sich als Manager des Systems. Die Verwaltung des Schulbudgets, Schulprofil schaffen, Elternarbeit, Pflege und Aufbau von Außenkontakten, Personalentwicklung sind wesentliche Aufgaben der Schulleitung
- Meist kleine Klassenstärken, wichtig für individuelle Förderung und Unterstützung
- Die Lehrkräfte sind keine Beamte. Schulwechsel werden häufiger vorgenommen, man bewirbt sich an den jeweiligen Schulen/Gemeinden, die eine Ausschreibung ihrer Stellen vornehmen.
- Die Gemeinden haben sind die Träger der Schulen und damit in den meisten Fällen mit entscheidend wie z.B. Einstellung von Lehrkräften, Verteilung der Mittel, ...
- Die SchülerInnen können nicht sitzen bleiben, der Grundgedanke dahinter: Warum ein ganzes Jahr wiederholen, wenn die Leistungen in einem oder zwei Fächern nicht entsprechen, diese Defizite dann lieber intensiv fördern
- Portfolio der SchülerInnen gibt Auskunft über Ziele und Inhalte der Schulbildung und wird zur Bewerbung vorgelegt
- Zentrale Prüfungen nach der 9ten Klasse, die als Abschluss der Folkesskole dient
- Entscheidungen über Lerninhalte werden auf lokaler Ebene gefällt - Rahmenpläne gehen vom Ministerium aus
- Berufliche und gymnasiale Bildung wurden koordiniert, so werden auch praktische Fächer an Gymnasien unterrichtet und allgemeinbildende Fächer in die berufliche Bildung integriert

Schulerfahrungen aus Finnland
Allgemeines zu den Bedingungen:
Bildungsziele sind zentral festgelegt. Die Gemeinden sind die Schulträger, es besteht
eine große Autonomie der Schulen. Die Lehrkraft ist ein anerkannter Fachmann
für Unterricht und Erziehung und nicht verbeamtet, sondern Angestellte der Kommunen.
Die Elternschaft steht hinter der Schule als Ort der Wissensvermittlung und der
Erziehung.
Die Schulreform in den Jahren 1972-1977 ergab eine Gemeinschaftsschule bis
einschließlich der 9. Jahrgangsstufe. In einer Lehrplanreform wurden die Vorgaben
minimiert und die angestrebten Kompetenzen der wichtigen Fachbereiche optimiert.
Eine klassenlose (Kurssystem) gymnasiale Oberstufe wurde eingerichtet. Die
Schulinspektion wurde abgeschafft, dafür ein Zentralamt eingerichtet, das berät und
betreut. Gleichzeitig damit die Einführung der schulischen Evaluation durch Schulträger.
Besonderer Wert wird auf den Fremdsprachenunterricht gelegt (bereits ab der 3.Klasse).
Die Kinder kommen mit 7 Jahren in die Schule, gehen gemeinsam in die 1 - 9 Klasse.
Dann geht es weiter, man kann auf die gymnasiale Stufe wechseln, die meisten Schulen
bieten eigene Schwerpunkte. Der Weg ins Berufsleben wird von der Berufsschule
vorbereitet. Behinderte Kinder sind meist eingegliedert. Die Notengebung beginnt ab
der 7. Jgst., es werden bis dahin verbale Beurteilungen gegeben. Je niedriger die
Klassenstufe, umso geringer die Anzahl der Schüler. Intensive Elternarbeit,
2 Elterngespräche pro Jahr sind verpflichtend.
Es gibt nur wenige Ganztagesschulen, man beginnt gegen 9.00 Uhr und endet meist um
14.30 Uhr. Es wird ein kostenloses Mittagessen zur Verfügung gestellt. Viele
Pausen sind zwischen den Stunden eingeplant. Unterstützung der Lehrkräfte durch
weiteres Personal wie Schulassistenten, Sonderpädagogen, Schulpsychologen,
Krankenschwester, die an allen größeren Schulen zu finden sind. Intensive
Betreuung von nicht-muttersprachlichen Kindern durch eigene Intensivunterweisung.
Meist haben die Lehrkräfte einen eigenen Arbeitsplatz an der Schule.
Die Schulleitung ist relativ autonom. Die Stellen werden ausgeschrieben und ein
Gremium aus KollegInnen und Kommune wählt einen Bewerber aus, zum Teil auf Zeit.
Ausbildung der Lehrkräfte sehr praxisnah, sowohl an der Universität als auch an einer
Seminarschule. Dauer ca. 5 - 6 Jahre. Von 100 Bewerbern für ein Lehramtsstudium
werden 10 zugelassen.
Speziell zur Leseerziehung:
Traditionelles Leseland, hoher Stellenwert der Bibliotheken, keine Einteilung in
"wertvolle und wertlose" Literatur, die Hinführung zum Lesen beginnt bereits sehr
früh, im Kindergarten bereits Schreiben und Lesen lernen, Notwendigkeiten größer,
da viel fremdsprachige Informationen.

Schulerfahrungen aus den Niederlanden
Vor Ort bot sich Gelegenheit mit Vertretern der dortigen Schulinspektion zu sprechen
und deren Verständnis ihrer Aufgabe vorgestellt zu bekommen, die sich deutlich von
vergleichbaren Aufgabengebieten unserer Schulaufsicht unterscheiden- es steht weit
mehr Beratung, Evaluation und Betreuung im Vordergrund.
Es wurden verschiedene Schulen, Basis- und Sekundarstufe besucht und dort ergab sich
die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen und ausführliche Informationen
über individuelle und allgemeine Strukturen zu erhalten. So finden sich Unterschiede
beispielsweise im Einschulungsalter(4-5 Jahre), in der Verteilung der Stunden
(über den Tag verteilt), in der Arbeitszeit der Lehrkräfte (Anwesenheitspflicht),
in der Gestaltung des Unterrichts (z. T. klassenübergreifend, mit zusätzlicher
Lehrkraft, offene Formen), beim Lehrplan (als Leitlinie aufgebaut),
Gesamtschulen (bis zum 12. Lebensjahr), dann Aufspaltung, je nach Begabung und
Interessen.
Interessant war die Schulleiterausbildung - es war Gelegenheit, einen Baustein
mitzuerleben, bei dem gerade eine obligatorische Fahrt für eine Hospitation in
schottischen Schulen vorbereitet. Die z. T. sehr jungen Schulleiter waren
sehr aufgeschlossen und bereit, uns Einblicke in ihre Arbeit und ihre
Erfahrungen zu geben. Der Weg zum Schulleiter ist eine eigene Ausbildung
über ca. 2 Jahre hinweg.
Die Schulberatung hat in den Niederlanden zahlreiche Aufgabenfelder (z.B.
Qualitätsverbesserung, Beratung, Schulprogrammerstellung)
diese wurden vorgestellt und Einstellungen und Entwicklungen diskutiert.
Die anstehende Kommerzialisierung dieses Bereichs gab Anlass zu Diskussionen
und Fragen.

Schulerfahrungen aus Schottland
Seit dem Jahr 2000 hat sich in Schottland einiges in der schulischen Landschaft
verändert. Vor allem die Verwaltungsebene und die Ausbildung von Führungskräften sind
deutlich an die Bedürfnisse der Schulentwicklung angepasst worden.
5 Bereiche sind speziell zu Schwerpunkten der schulischen Erziehung benannt worden:
- Neue Standards der schulischen Entwicklung in den Kernfächern
- Unterrichtsqualität verbessern, Förderung der Lehrkräfte und Schüler
- Gleichberechtigung für Förderbedürftige und Minderheiten
- Elternarbeit zur Erreichung der gemeinsamen Ziele im Sinne der Gesellschaft
- Kompetenzen fördern, sich in der Gesellschaft zu behaupten
Die Schulstruktur setzt folgende Stufen der Ausbildung:
- Vorschule vom 3 - 5 ten Lebensjahr
- Primarschule vom 5 - 12ten Lebensjahr
- Sekundarschule vom 12 - 16ten Lebensjahr
- Unterschiedliche Wege, je nach Begabung und Orientierung
Schulen arbeiten mit Jahresplänen/Rahmenplänen, die allgemeine Ziele enthalten und
die spezielle Bereiche betreffen, z. B. Gesundheit, soziales Lernen, aktive Bürger.
Es werden eigene Qualitätsindikatoren erstellt. Evaluation findet zum einen intern
statt, aber auch extern durch Beauftragte des Unterrichtsministeriums, einem
Qualitätsteam, das eng mit den Schulen zusammenarbeiten.
Ein Ausbildungskonzept für Führungskräfte wird momentan erprobt und durchgeführt.
Die Ausbildung von Schulleiter erstreckt sich über 3 Jahre und beinhaltet
sowohl praktische wie theoretische Inhalte, die aufgearbeitet und umgesetzt werden
sollen. Grundsätzlich sollen die Grundlage für die Arbeit in der Schulleitung:
Professionalität, Management und Führungsqualität sein.

Abschließende Gedanken
Das direkte Erleben und Erfahren der schulischen Gegebenheiten ist sehr beeindruckend
und bietet Gelegenheit, nationale Gegebenheiten und Besonderheiten besser
einzuschätzen und in Relation zum Wissen um das Anderssein zu setzen.
Deutlich wird, dass das Bild von Schule und der damit verbundenen Personengruppen sehr
beeindruckend auf die Arbeit, den Stellenwert und die Möglichkeiten einwirkt.
Die grundsätzlichen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Traditionen - inwieweit
fördern oder bremsen sie Schulentwicklung ... und was kann zu einer positiven
Weiterentwicklung beitragen?

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