Weitere Orientierungshilfen

Informationen zur BIK-Beschulung

Beschulungsmodell

  • Seit 2016/17 können neben den Berufsschulen auch andere berufliche Schulen (Wirtschaftsschulen, Berufsfachschulen, Berufliche Oberschulen) sowie berufliche Schule in privater Trägerschaft Berufsintegrationsklassen eigenständig einrichten.
  • Aufnahme und Auswahlverfahren erfolgen durch die Schule.
  • Grundsätzlich ist ein kooperatives (Ausschreibung) Modell (BIK-K) oder schulisches Modell (BIK-S) möglich

Entwicklung

Aktuelle Zahlen:

  • 1035 BIK-Klassen an Berufsschulen
  • 19 Klassen an FOS/BOS
  • Deutsch als gemeinsame Sprache in mehrsprachigen Kontext
  • sprachliche, interkulturelle, bildungstechnische Heterogenität der Klassen
  • Inklusion
  • Sensibilisierung für unterschiedliche Kulturen
  • wenig demokratische Erfahrungen der Schüler oder Ablehnung der Demokratie als Gesellschaftsform (Missverständnis der Demokratie als grenzenlose Freiheit)
  • geringe Erfahrungen der Schüler mit Bildungs- und Berufswelt in einer Leistungsgesellschaft
  • zu hohe Erwartungen der Schüler an eigene Aufstiegschancen als Seiteneinsteiger
  • falsche Vorstellungen der Schüler zu der Wertigkeit der Berufe (Typische Berufswünsche in den BIK-Klassen am Anfang: Pilot, Arzt, Professor, Ingenieur)
  • keine Tradition der Aufklärung mit Verantwortung des Einzelnen für sich (hohe Erwartungen an Institution Schule bei der Praktikumsvermittlung, bei der Suche nach dem Ausbildungsplatz, bei der Berufswahl)
  • Herkunft vieler Schüler aus autoritären, patriarchalischen Gesellschaften
  • Umgang mit Geschlechterrollen: keine Tradition der Selbstbestimmung der Frau (z.B. sexuelle Selbstbestimmung, persönliche Entfaltung, Partnerwahl, frühe Heirat und Familiengründung, Primat der Mutterrolle für Frauen, Scheidungsrecht, Anzeigbarkeit von Vergewaltigung, rechtliche Gleichstellung, Bildungs- und Karrierechancen, Kleiderordnung etc.)
  • Konzeptionen von ‚Familienehre', besonderer Zusammenhalt bei den Familien (z.B. Familientermine haben Priorität vor Schulterminen)
  • Vorstellung der Schüler von der Gewalt als legitimes Mittel der Erziehung (falsche Vorstellungen zu der Lehrerrolle), des Umgangs von Männern mit Frauen, der juristischen Sanktionierung, als Teil des Alltagserlebens (Krieg), der Selbstjustiz
  • eingeschränkte Meinungsfreiheit, oder absolute Meinungsfreiheit
  • falsche Vorstellungen der Schüler zu den Dimensionen Nähe und Distanz im Umgang mitei-nander (oft Schwierigkeiten im kooperativen Lernen)
  • Nutzung lokaler Netzwerke
  • enger Kontakt mit den Praktikumsbetrieben
  • Kooperation mit vor Ort aktiven Migrantenorganisationen
  • Menschen mit erfolgreicher Migrationsgeschichte als starke Vorbilder für gelungene Integration
  • Praktischer Unterricht
  • Sprachsensibler Fachunterricht schon im ersten Beschulungsjahr
  • berufliche Vorerfahrungen als Ressource
  • Betriebsbesichtigungen
  • Praktika schon während der Berufsintegrationsvorklasse
  • Vermittlung von persönlicher Hygiene und Betriebshygiene
  • Bedeutung und Einübung von berufsbezogenen sozialen Kompetenzen (z.B. Pünktlichkeit, Ordnung, Verlässlichkeit, Eigenverantwortung und Verantwortung für andere)
  • Thematisierung von Demokratie und Sozialstaat, gesellschaftliches Engagement und Ehrenamt, Rechte und Pflichten in Deutschland
  • Feedbackkultur für die Zusammenarbeit mit den Praktikumsbetrieben
  • Menschen mit eigener Migrationsgeschichte oder Auslandserfahrung als Vorbilder bzw. Wegbegleiter
  • umfassende Unterstützung der Lehrkräfte von der Schulleitung
  • Bildung von Tandems (Fachlehrer und DaZ-Lehrer)
  • Einführung eines Unterstützungssystems durch erfahrene Lehrkräfte
  • Kollegiale Hospitationen nach dem Gastgeber-Modell
  • Weiterbildungen zu geeigneten Methoden und zu einer sprachsensiblen Didaktik, zur interkulturellen Kompetenz und zur Traumatisierung
  • Fort- und Weiterbildungen nach einem modularen System für das gesamte Team (z. B. Portfolio SB = Spracherwerb und Berufsintegration von der ALP)

15 Thesen zur Mehrsprachigkeit

  1. Jeder Mensch hat die Begabung, mehr als eine Sprache zu erwerben.
  2. Kinder werden durch das Erlernen einer zweiten oder weiteren Sprache nicht überfordert.
  3. Menschen können ein Leben lang neue Sprachen lernen. Je später eine weitere Sprache erworben wird, desto häufiger sind die Interferenzen.
  4. Alle Sprachen sind es wert, geschätzt und gefördert zu werden.
  5. Mehrsprachigkeit ist als Aufforderung zur Integration, als Chance zum multikulturellen Miteinander und als Grundlage zum Spracherwerb Deutsch als Zweitsprache und zur Sprachförderung im Allgemeinen zu verstehen.
  6. Mehrsprachige Menschen leben in unterschiedlichen sprachlichen Umwelten.
  7. Sprachen entwickeln sich in verschiedenen Themenbereichen in unterschiedlicher Weise, dadurch entstehen Sprachdomänen.
  8. In der Familie gesprochene Herkunftssprache ist oft eine Variante der offiziellen Herkunftssprache.
  9. Kinder und Jugendliche brauchen ein adäquates sprachliches Vorbild.
  10. Die Verwechslung der Sprachen kommt selten vor.
  11. Auch deutsche Muttersprachler profitieren vom Kontakt mit weiteren Sprachen und Kulturen.
  12. Der mehrsprachige Ansatz stärkt Einsichten über Sprachen.
  13. Arbeit an mehrsprachigen Projekten sollte ein fester Bestandteil der Sprachförderung sein (z. B. Sprachexperimente, Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln, mehrsprachige Rituale, Lieder, Namen in der Aussprache der Herkunftssprache).
  14. Mehrsprachigkeit muss sichtbar gemacht werden (z. B. Beschriftung von Fotos, Bücherausstellung, Aufnahme von Schriften, mehrsprachige Bildwörterbücher, Migrantenliteratur).
  15. Sprachförderung darf nicht an Fragen der Zuständigkeiten scheitern – alle sind gefordert, ihren Beitrag dazu zu leisten.